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Aus dem Rahmen gefallen...

Staunend die Heilige Schrift zu entdecken und Gott in dem, was mir heute begegnet, zu buchstabieren, wie einen Text, das ist mein Angebot für heute. Und - ganz sicher - bekommt dieser Tag, wie immer er auch sein mag, dadurch seinen Sinn, weil dieser Tag in Gottes Plan immer schon einen Sinn für mein Leben hatte. 

Hier als Beispiel die Schriftzitate im Hymnus "Conditor alme siderum". Wussten Sie, dass da soviel Bibel drinsteckt? Die sich jeweils nicht reimende Zeile ist ein Schriftzitat:

In Strophe zwei - ein Paarreim - stammt die Zeile: uti sponsus de thalamo aus Psalm 19,6. Genu curvantur omnia in Strophe drei ist ein Zitat aus Jes 45,10, gefolgt von einer Zeile aus dem Hymnus des Philipperbriefes 2,10: caelestia terrestria, entsprechend grammatikalisch angepasst an den Verstext mit einer anschließenden Paraphrasie von Phil 2,11. Auch in der fünften Strophe verändern zwei Schriftzitate das Reimschema, das folglich als ein Kreuzreim imponiert. Venture iudex saeculi ist eine Paraphrasie von 2 Tim 4,1, die ähnlich auch im Te Deum erscheint; mit hostis a telo perfidi befinden wir uns im Epheserbrief 6,16, auch hier paraphrasiert. Das wirken zu  lassen, braucht Zeit.

Wie schon gesagt, ist der Dreh- und Angelpunkt der Konzeption der Strophen drei bis fünf der Ruf "Heiliger Gott, heiliger starker Gott, Heiliger Unsterblicher, erbarme dich unser", wegen der dreimaligen Wiederholung von "heilig" griechisch Trishagion genannt. Zudem lässt sich feststellen, dass es in Strophe drei thematisch um die Beschlüsse des Konzils von Ephesos 431 geht: Maria ist Gottesgebärerin; Strophe vier behandelt die Zweinaturenlehre nach dem Konzil von Calcedon 451. Mit der fünften Strophe wendet sich der Blick in die Zukunft, bittend, diese Erdenzeit über dafür bewahrt zu bleiben. Diesen Blick in die Zukunft, der alles Irdische aufgrund der göttlichen Allmacht und Größe relativiert, wünsche ich Ihnen.




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