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Advent, Taufe und Umkehr

Hinterfragt man den Kolosserbrief, bei dem wir mit der Betrachtung des Vesperhymnus der Adventszeit  herausgekommen sind, steht er im Kontext antiker Taufliturgie. Taufe ist auch das Thema des Evangeliums des zweiten Adventssonntags. Im vorangegangenen Post habe ich mit zwei Zitaten des Augustinus das ungefähre ursprüngliche Umfeld der ersten Strophe von "Conditor alme siderum" darzulegen versucht. Dabei war von jener anderen Form der Taufe die Rede, die damals über den Sängern schwebte, die Möglichkeit sein gesungenes Bekenntnis mit dem Leben zu bezahlen. Daran erschreckend ist, dass es mittlerweile auch in unserer Zeit zunehmend häufiger vorkommt, Gläubige während eines Gottesdienstes umzubringen.

Advent ist Besinnung auf ein Leben aus der Taufgnade im Angesicht der Wiederkunft des Herrn. Wir wissen nicht, wann dieser Tag für uns kommen wird. Im zweiten Petrusbrief heißt es: Der Tag des Herrn wird aber kommen wie ein Dieb (2 Petr 3,10). Der Autor des Briefes setzt nach: Wenn sich das alles in dieser Weise - er schildert sie zuvor - auflöst: wie heilig und fromm müssen wir dann leben! Und der Evangelist Markus (Mk 1,3) zitiert den Propheten Jesaja, um die Dringlichkeit der Umkehr anzumahnen: Bahnt für den Herrn einen Weg (Jes 40,3)! Das klingt alles gar nicht so heimelig, wie wir den Advent gerne hätten. Es erklärt aber den Weg, auf dem der erste Teil des Vesperhymnus seine Bindung an die Adventszeit bekommen hat:

Das Fest Epiphanie war in der Ostkirche ein wichtiger Tauftermin. Der kurze bekenntnisartige Fürbittruf nahm also seinen Weg in den Orient. Denn in den dortigen Auseinandersetzungen, wiederum über das Wesen und die Gestalt Jesu, liegt der Schlüssel für den Text der zweiten Strophe, welche zu Beginn des fünften Jahrhunderts, jedenfalls vor dem Konzil von Ephesos, entstanden sein muss.

Bevor es aber um den konkreten Text gehen wird, bietet es sich hier an, sich zu fragen, wie der Advent eigentlich das wurde, was er ist oder woraus er sich entwickelte: Aus einer unterweisenden Vorbereitungszeit, in der man in endzeitlicher Blickrichtung Anteil erhielt am Los der Heiligen, die im Licht sind (Kol 1,12), in der man also getauft wurde. Das war der ursprüngliche Sinn dieser Zeit, die Bekehrung zum Glauben, um einzutreten in den Kreis der Auserwählten des Herrn, den Kreis der Christen. 

Für uns heute ist es aufgrund des unterschiedlichen Festcharakters erklärungsbedürftig, wollen wir verstehen, warum Advent im Wortsinn genau dasselbe wie Epiphanie bedeutet. Das eine Wort ist bloß lateinisch, das andere giechisch. Den Ursprung des Festes Epiphanie, des Festes der Ankunft der Gottheit in der Welt, haben wir in mystischen Kulten Ägyptens zu suchen. Wie auch bei anderen Festen, ersetzte das christliche Fest die heidnischen bzw. gnostischen Vorläufer. Dies geschah im vierten Jahrhundert. Drei biblische Ereignisse offenbaren Christus in seiner Gottheit: die Anbetung der Weisen, die Taufe im Jordan und die Hochzeit zu Kana. Weil anlässlich dieses Epiphaniefestes Taufen stattfanden, scheint sich nach heutigem Wissensstand in eben jener Kirche von Alexandrien auch eine Vorbereitungszeit entwickelt zu haben, die in symbolischer Entsprechung, in der die Zahl drei für das Göttliche steht, drei Wochen umfasste, beginnend am 17. Dezember. Was in diesem Fest aber unterging bzw. auch von einigen geleugnet werden konnte, war die Menschheit Jesu Christi, sodass sich wohl parallel dazu das Weihnachtsfest entwickelte, das Seine Geburt in der Zeit, das Geheimnis der Fleischwerdung, in den Mittelpunkt rückte, gleichfalls mit einer Vorbereitungszeit, die schließlich (im sechten Jahrhundert) vier Wochen umfasste. Die Zahl vier steht für das irdische: Christus ist gekommen in der Zeit. 

All das ist kompliziert und hochtheologisch. Um den Hymnus in seiner zweiten Strophe zu verstehen, ist davon nur wichtig: Christus ist wahrer Mensch und wahrer Gott. Im frühen fünften Jahrhundert kam dieses Bekenntnis als Konkretisierung des Geglaubten hinzu. Von da an gab es zwei Strophen. Damit war "Conditor alme siderum" kein Fürbittruf mehr, sondern ein gesungenes Glaubensbekenntnis vor der Taufe.

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