Glücklich, behutsam und froh wären Beschreibungen für einen Bräutigam, der aus seinem Gemach hervortritt. Doch wer ist die Braut?
In Psalm 19, der in der zweiten Verszeile der dritten Strophe von "Conditor alme siderum" zitiert wird, baute - nach Augustinus - Gott in der Sonne seine Wohnstatt und tritt als Bräutigam aus dem Gemach, in dem Er sich der Jungfrau Maria vermählt hat (vgl. Enarrationes in psalmos MPL 036, Psalm XVIII). Das ist das unaussprechliche Geheimnis, dass Gott, der Höchste, einen Menschen um Sein Ja - Wort bat und sich der menschlichen Natur vermählte.
Maria empfing und wurde schwanger. Der göttliche Same wuchs als echter Mensch in ihr heran.
Das Aufgehen der Sonne in dieser bildgewaltigen Form ist ein starkes Symbol für den Sieg des Lichtes über die Finsternis, den Untergang und den Tod. Nehmen wir die beiden ersten Zeilen der dritten Strophe zusammen, so kann diese Psalmdeutung allerdings dennoch nicht sinnvoll den Zusammenhang erklären, schon gar nicht, wenn dieser Bräutigam dann als aus der ehrenvollen Kammer der Magd hervorgehend bezeichnet wird. Im Lateinischen ist die Sonne ein männliches Substantiv, sodass die theologische Gleichsetzung des Bräutigams mit der Sonne auch grammatikalisch möglich ist. Erneut wird hier ins Wort gebracht, dass Christus Gott ist. Und - in der Tat ist jener lukanische Bericht (Lk 1, 26-38) die Stelle des ersten neutestamentlichen Auftretens der Trinität.
Hier muss die Kirche als Braut mitgedacht werden, der sich Christus vermählt hat. Es geht um die Gemeinschaft der Glaubenden im Licht, die sich mit Christus verbunden haben, den sie als ihren Gott und Schöpfer bekennen. Es ist der Abend der Schöpfung, an dem sich dieses aufgehende Licht den Menschen naht. Und wenn wir uns erinnern, so war es der frühe Morgen am ersten Tag der Woche, also mit dem Sonnenaufgang, als die Frauen das leere Grab entdeckten, das aufgehende Licht über aller Finsternis, allem Leid und allem Unrecht.
Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen... Wenn dies beginnt, dann richtet euch auf und erhebt eure Häupter, denn eure Erlösung ist nahe! (Lk 21,25.28)