Sedulius Caelius, hat in seinem 'Carmen Paschale' einen wunderbaren Satz geprägt:
Und als nun seit dem
Anfang neun Monate zum zehnten geglitten,
erstrahlte der
heilige Tag, an dem er mit der schwangeren Jungfrau
das verheißene Werk
erfüllte: 'Das Wort ist Fleisch geworden.',
weil es in uns
wohnen wollte. Das größte Kind hat damals
das Innere seines
Tempels rein bewahrend,
den Weg freigemacht,
ohne ihn zu verletzen:
Er ist für die Jungfrau als Zeuge der Geburt anwesend,
indem er, was er geschlossen betreten hat,
auch geschlossen verlässt.
Christus ist wahrer Mensch und wahrer Gott. Für einen christlichen Schriftsteller des fünften Jahrhunderts bedeutete das vor allem, bei dem weihnachtlichen Geschehen zu betonen, dass Maria Gottesgebärerin war (Ephesos 431). In diesem Zitat wird zudem ausgesagt, dass Christus auf göttliche Weise den Schoß Mariens verlassen hat, was seit dem zweiten Jahrhundert immer wieder von Bischöfen, Patriarchen und Kirchenvätern betont wird und auf dem zweiten Konzil von Konstantinopel im Jahre 553 dann verbindliche katholische Lehre wurde. Der Adventshymnus besingt diese Aussage auf seine Weise, indem er Maria im letzten Teil des Vierzeilers als Jungfrau und Mutter bezeichnet.
Das bekannte Adventslied: 'Maria durch ein Dornwald ging' besingt dieses Geheimnis mit den folgenden wunderschönen Worten: "Was trug Maria unter ihrem Herzen? Ein kleines Kindelein ohne Schmerzen."
Die theologischen Gelehrten vergangener Jahrhunderte waren sicher nicht weniger aufgeklärt, als wir es heute sind. Man bedenke: Augustinus hatte einen Sohn! Dennoch maßen sie sich nicht an, Gott das menschenunmögliche nicht zuzutrauen. Es ist eine Ehrfurcht vor dem Größeren, dem Erhabenen, dem, der aus aller Not retten kann. Schön wäre es, wenn auch in Texten unserer Zeit beim Umgang mit dem Göttlichen die Ehrfurcht wieder spürbar würde.