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Ein kleiner Zeitsprung und ein Text vom Himmel...

Mit der dritten Strophe von "Conditor alme siderum" machen wir erneut einen kleinen Zeitsprung. Da es zudem nun vielfältige Textvarianten gibt, sei die hier behandelte Form zunächst wiedergegeben, von der der Zwettler Zisterzienserpater Alexander Lipp nach Durchsicht allen ihm verfügbaren Materials behauptet "unsere Textierung ist die ursprüngliche" (Die Hymnen des Cistercienser-Breviers, Wien 1890, S.31). Damit meint er die zisterziensische Form. 

3. Vergente mundi vespere,
uti sponsus de thalamo,
egressus honestissima
Virginis matris clausula.

4. Cuius forti potentiae
genu curvantur omnia;
Coelestia, terrestria
nutu fatentur subdita.

5. Te deprecamur, Hagie,
venture iudex saeculi:
Conserva nos in tempore
hostis a telo perfidi.

Er könnte mit seiner Einschätzung im Recht sein, denn er selbst stellt schon angesichts der fünften Strophe, die ein einzelnes griechisches Wort - nämlich Hagie - enthält, fest, dass dieses dem Trishagion, der Anrufung: "Heiliger Gott, heiliger starker Gott, heiliger Unsterblicher, erbarme dich unser" entstammt (ebd. S. 34; Trishagion = 3x heilig). Was er nicht bemerkt, ist, dass das Trishagion in diesem Hymnus so konzipiert ist, dass je eine Strophe, angefangen mit der dritten, Christus mit einem dieser drei Hoheitstitel bekennt.  Somit - wenn diese These stimmt - schrieb diese drei Strophen ein und dieselbe Feder nieder. Sie wurden dann gemeinsam angefügt.

Wo stehen wir aber zeitlich, wenn dies die älteste Form ist? Auch dies ließe sich anhand jener Anrufung herausfinden. Eine alte Überlieferung sagt, ein Junge sei in den Himmel entrückt worden. Dort habe er diese lobpreisenden Worte erhalten, um sie den Menschen zu bringen. Das war in Konstantinopel, das zu jener Zeit von einer Serie von Erdbeben erschüttert wurde. Der Patriarch Proklos (+447) machte während einer Bittprozession erstmaligem Gebrauch davon: Die Erdbeben hörten auf. Mit diesem Erfolg wurde die Anrufung populär und verbreitete sich rasch. Als nur wenige Jahre später das Konzil von Calcedon (451) stattfand, bot sich unter den Bischöfen genügend Austauschfläche, um diesen Ruf auch in den christlichen Westen zu verbreiten. Bedenken wir noch, dass entsprechend alter Leseordnung der Einzug Jesu in Jerusalem analog zu Palmsonntag und Karfreitag auch zu Beginn des Advents gelesen wurde, dann erschließen sich die Verbindung zum Ostergeschehen und die Dimension, in der sich der christliche Advent auf die Ankunft vorbereitet. 

Maranatha!

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