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Heilig

Die fünfte und letzte Strophe beginnt mit einer Bitte an den Heiligen, ausgedrückt mit dem griechischen Wort für "heilig". Christus ist nach Ausweis des Evangeliums " der Heilige Gottes " (Joh 6,69; Mk 1,24), denn ER ist Gott. Der Begriff "heilig" drückt in sich aus, dass Gott jenseits der Vorstellungskraft unseres Denkens und der Verfügbarkeit menschlichen Handelns steht. Und so sagt es das Johannesevangelium: " Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht ." (Joh 1,18) Erhaben, im Licht wohnend, verborgen, erlösend, ein Heilmittel gebend, so anders in SEINER Geburt, so unvergleichlich überschießend in dem, was ER für uns gab - mit all diesen Ausdrücken und Wendungen besingt und bekennt der Hymnus Christus als den Heiligen, als unseren Gott. Die Haltung des Menschen kann demgegenüber nur Demut und Ehrfurcht sein. Insofern ist es wohl gut, sich einmal vor Augen zu führen, in welcher ...

Himmlische und Irdische

Im dritten Vers der vierten Strophe geht es noch immer um Unterwerfung unter Gott als den Starken, nun aber mit den Worten des Philipperbriefes. Die Intention ist die verbale Illustration der Stärke. Im Philipperhymnus ist etwas ausgesagt, was in der Jesajastelle fehlt: die Dimension der Herrschaft hat zugenommen. Während beim Propheten Jesaja nur die Erdenbewohner, nämlich alle Völker, ihre Knie vor Gott beugen, tun das im neutestamentlichen Hymnus auch die Himmelsbewohner. Christus, der Gottessohn, der sich als Mensch zum Sklavendienst und zu einem schändlichen Tod aus freier Entscheidung hergab, ist gerade dadurch Herrscher über den Kosmos geworden. Dieser urchristliche Hymnus ist der älteste Versuch, die Menschwerdung des Gottessohnes in Worte zu fassen: entäußert, erniedrigt und gehorsam. Deshalb erhöht und mit einem edlen Namen geschmückt. Christus ist Gott, und Gott gebietet als Herr über alles!

Dem Starken...

Dem Starken, (vor) dessen Macht jedes Knie gebeugt wird...  Das hier genannte Zitat vom Beugen der Knie entstammt zunächst nicht dem Philipperhymnus, wie man denken könnte. Die Wortgruppe ist dem Jesajabuch entnommen (Jes 45,23), wo es u.a. im Folgesatz (Jes 45,24) auch heißt: Nur beim HERRN - sagt man von mir - sind Heilstaten und Stärke . Mit der Eroberung Babylons endete die Exilszeit für das Volk Israel, konnte ein neuer Tempel errichtet werden. Im Kapitel 45 des Jesajabuches wird der Perserkönig Kyros sogar als Gesalbter des des HERRN bezeichnet. Seine Herrschaft bringt dem Volk Israel neue Freiheit. Das Kapitel gipfelt im großen Bekenntnis der Allmacht Jahwes, dem sich alle Völker, die Knie beugend, unterwerfen, dem, der der Retter seines Volkes ist. Und: es ist ein huldigendes freudiges Unterwerfen unter die Macht des so unendlich Großen. Es lohnt sich, dieses Kapitel einmal wieder zu lesen, in dem die Verhältnismäßigkeit zwischen Ton und Töpfer die Größenordnung beschreibt,...

Die ehrenvolle Kammer

Die Kammer, von der hier die Rede ist, ist der Mutterschoß Mariens. Das Innerste ihrer Person ist geheiligt durch Gott. Konsequenterweise wird der Ort, an dem Gott wohnt, zum heiligen Ort, zum Tempel. Im Vesperhymnus des Advent ist es die ehrenvollste Kammer, honestissima clausula , also eine Art Schatzkammer, denn mit clausula handelt es sich um einen verschlossenen Raum, das beigegebene Adjektiv steht im Superlativ, womit ausgesagt ist, dass dieser Raum, diese Kammer, keinen vergleichbaren Bau auf der Erde hat. Einige Kirchenväter nennen ihn Tempel, Haus Gottes. Wir könnten auch Kirche sagen. Der lokalisierbare Ort wird in den Menschen übertragen, denn in Maria hat Gott den Menschen aufgewertet, da er ihn zu seiner Wohnung gemacht hat. Und eben jener Ambrosius, dem wir die erste Strophe dieses Hymnus verdanken, hat diese Analogie betont. Indem mit der Taufe der Hl. Geist im Menschen Wohnung nimmt, kehrt auch das Wort in ihm ein, das kraft des Geistes in uns und durch uns heute Fleis...

Heraus-gegangen...

Sedulius Caelius, hat in seinem ' Carmen Paschale ' einen wunderbaren Satz geprägt:    Und als nun seit dem Anfang neun Monate zum zehnten geglitten, erstrahlte der heilige Tag, an dem er mit der schwangeren Jungfrau das verheißene Werk erfüllte: 'Das Wort ist Fleisch geworden.', weil es in uns wohnen wollte. Das größte Kind hat damals das Innere seines Tempels rein bewahrend, den Weg freigemacht, ohne ihn zu verletzen:  Er ist für die Jungfrau als Zeuge der Geburt anwesend,  indem er, was er geschlossen betreten hat,  auch geschlossen verlässt.   Christus ist wahrer Mensch und wahrer Gott. Für einen christlichen Schriftsteller des fünften Jahrhunderts bedeutete das vor allem, bei dem weihnachtlichen Geschehen zu betonen, dass Maria Gottesgebärerin war (Ephesos 431). In diesem Zitat wird zudem ausgesagt, dass Christus auf göttliche Weise den Schoß Mariens verlassen hat, was seit dem zweiten Jahrhundert immer wieder von Bischöfen, Patriarchen und ...

Wie ein Bräutigam...

Glücklich, behutsam und froh wären Beschreibungen für einen Bräutigam, der aus seinem Gemach hervortritt. Doch wer ist die Braut? In Psalm 19, der in der zweiten Verszeile der dritten Strophe von "Conditor alme siderum" zitiert wird, baute - nach Augustinus - Gott in der Sonne seine Wohnstatt und tritt als Bräutigam aus dem Gemach, in dem Er sich der Jungfrau Maria vermählt hat ( vgl. Enarrationes in psalmos MPL 036, Psalm XVIII ). Das ist das unaussprechliche Geheimnis, dass Gott, der Höchste, einen Menschen um Sein Ja - Wort bat und sich der menschlichen Natur vermählte. Maria empfing und wurde schwanger. Der göttliche Same wuchs als echter Mensch in ihr heran.  Das Aufgehen der Sonne in dieser bildgewaltigen Form ist ein starkes Symbol für den Sieg des Lichtes über die Finsternis, den Untergang und den Tod. Nehmen wir die beiden ersten Zeilen der dritten Strophe zusammen, so kann diese Psalmdeutung allerdings dennoch nicht sinnvoll den Zusammenhang erklären, schon gar nic...

Verkehrte Welt...

Als sich die Welt zum Abend wand,  der Bräut'gam Christus ward gesandt,  aus seiner Mutter Kämmerlein  ging er hervor als klarer Schein .  Das ist die heute übliche Übersetzung der dritten Strophe für den Gesang. Sie verdeutlicht schon, was man sich im lateinischen Text selbst erst erschließen muss, dass das Bibelzitat aus Psalm 19: " Sie (= die Sonne) tritt aus ihrem Gemach hervor wie ein Bräutigam" , Christus meint. Wir besingen also etwas, was dem Lauf der Natur entgegen steht, denn die Sonne geht nicht am Abend auf. Und gewöhnlich denken wir dabei gar nicht darüber nach. Wie ist das zu verstehen? Was ist der "Abend der Welt"? Die Deutung ist theologisch und wird verständlich, wenn wir Augustinus fragen. Dreizehn Jahre lang hat er an einem Buch geschrieben, das er " Gottesstaat " nannte. Im Grunde nimmt er dort eine Einteilung der Heilsgeschichte nach der Schöpfungsgeschichte vor. In sieben Tagen wurde die Welt erschaffen, am ersten Tag wurden Himme...