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End-lich

Siehe, ich komme bald (Offb 22,7). 

Warten wir wirklich darauf? Kaum haben Anzeichen ein endzeitliches Gepräge, gehen Angst und Schrecken um. Was aber ist so neu an dieser Verheißung, dass es uns aus der Bahn werfen müsste? ER kam vor zwei Jahrtausenden in der Zeit, ER kommt heute ins Herz jedes Menschen, das sich ihm öffnet, ER wird kommen am Tag X, dem Ende unserer Zeit. 

Advent heißt ankommen. Vielleicht sollten wir auch hinzufügen ankommen lassen. Obwohl ER schon lange verehrt wird, ist erstaunlich wenig in die Praxis umgesetzt. Jedenfalls erscheint das schwieriger, als ihn zu feiern. Käme ER heute mit dem Gesicht eines Notleidenden unserer Zeit, wir würden ihn wohl kaum erkennen. Diesen einen würden wir gern aufnehmen, weil es Vorteile verspricht, das zu tun. Doch es sind jede Not und jeder Mensch mit seiner jeweiligen Last, von der es so unendliche Facetten gibt. Wir vermissen IHN oft sogar in uns selbst

Endlich ist sie da, diese Vorbereitungszeit: Von Kindern heiß ersehnt, für Erwachsene meist stressig und für die Alten oft einsam und traurig. Wieviel Endlichkeit erträgt ein Mensch? Jedes Leben geht auf seine finale Gestalt zu. End-lich bedeutet ja gerade das. Wir verändern uns beständig, auch wenn wir es nur in größeren Zeitabständen bemerken. Schön ist es, wenn ein junger Trieb aus dem Boden hervorkommt, wenn er blüht, heranwächst, Früchte trägt und dann in der Veredlung seiner Jahre, aus seiner Reife heraus, weitergibt, bevor er geht. Das ist unsere Berufung: Schön zu werden. Fantastisch schön! Und es genau dann zu sein, wenn die Hülle, in deren Schönheit wir so viel investieren, aufbricht und vergeht. Dabei ist es gar nicht so sehr ein Tun, als ein Geschehen-lassen. Der jugendliche Anreiz des Perfekten ist genau jener Fehlwuchs, der mit den Jahren mehr und mehr gestutzt wird. Mögen Begrenzungen in der Mitte noch eher äußerlich und tolerabel sein: Je weiter der Weg geht, umso mehr holen sie uns ein - vielleicht auch allein. 

Es ist mir ein Anliegen, diese Adventszeit zu einer Zeit betender Gemeinschaft zu machen. Beten ist die Vernetzung schlechthin. Sie funktioniert in Echtzeit und kabellos. Sie funktioniert sogar rückwirkend, weil es bei Gott ja keine Zeit gibt. Die Richtung ist der Himmel, die Wirkung erstreckt sich über die Erde. Wenn sich also jeder eine Zeit nimmt, in der er in einer Art Gedenkminute all die Traurigen und Einsamen und Notleidenden in sein Beten einschließt, und wenn die Traurigen und Einsamen das mitmachen, dann setzen wir als Christen das soziale Potenzial frei, das dafür verantwortlich ist, dass unser Glaube an Jesus Christus zur Weltreligion wurde und es länger als jedes Imperium blieb. Gerade in dieser Zeit, die nicht besser und nicht schlechter als frühere Zeiten ist!

Endlich Gemeinschaft, jene Gemeinschaft, die uns kein Lockdown nehmen kann: Wir sind füreinander da und stehen füreinander ein, in dem Maß, in dem wir es an unserem jeweiligen Ort gerade können. Es ist Gott, der aus der Summation vieler kleiner Gesten etwas Großes macht! Wir müssen es nicht einmal sehen. Wir dürfen darauf vertrauen, wenn wir füreinander beten.

Ich werde in dieser Adventszeit regelmäßiges Bloggen versuchen, auch um gerade Sie vielleicht zu erreichen, die Sie jetzt einsam sind, weil diesmal alles anders ist, weil geliebte Menschen fehlen, sie jetzt woanders mitfeiern werden.

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